Pokémon-Karten: Den Zustand bestimmen – und was er am Preis ausmacht
Fünf Stufen, vier Stellen zum Hinsehen, eine Zahl, die die meisten überrascht: Bei alten Karten kostet „leicht gespielt“ die Hälfte des Werts, bei neuen ein Achtel. Woran du den Zustand erkennst und wie du ihn ehrlich einträgst.
Stand 11. September 2026

Die fünf Stufen, die im Handel gelten
Cardmarket, der größte Marktplatz für Sammelkarten in Europa, führt sieben Stufen von Mint bis Poor. Praktisch gehandelt werden fünf: Near Mint, Excellent, Good, Light Played und Poor. „Mint“ steht in 2,8 Millionen Angeboten genau einmal – die Stufe existiert auf dem Papier, nicht im Markt. Wer eine Karte als Mint anbietet, bekommt den Near-Mint-Preis und eine Rückfrage.
Die Stufen sind kein Prüfsiegel, sondern eine Verabredung zwischen Käufer und Verkäufer. Ein zu gut eingestufter Zustand ist der häufigste Grund für Reklamationen – und für schlechte Bewertungen, die den nächsten Verkauf schwerer machen. Lieber eine Stufe zu streng als eine zu großzügig.
- Near Mint (NM): Wie aus dem Booster, höchstens ein winziger Kratzer, der nur im Streiflicht auffällt. Ecken scharf, Kanten ohne weiße Stellen.
- Excellent (EX): Ein, zwei kleine Gebrauchsspuren – ein Punkt Weiß an einer Ecke, ein feiner Kratzer auf dem Holo. Beim ersten Blick fällt nichts auf.
- Good (GD): Deutliche Spuren, aber die Karte ist unversehrt: mehrere weiße Kanten, Kratzer auf der Oberfläche, leichte Abnutzung der Ecken.
- Light Played (LP): Sichtbar gespielt. Weiße Kanten rundum, abgerundete Ecken, vielleicht ein leichter Knick, der die Karte nicht bricht.
- Poor (PO): Beschädigt – Knick, Riss, Wasserfleck, Beschriftung. Die Karte ist spielbar in der Hülle, aber kein Sammlerstück mehr.
Vier Stellen, an denen du hinsiehst
Ecken zuerst. Nimm die Karte gegen eine helle Fläche und schau auf alle vier Ecken: Sind sie scharf, leicht gerundet oder ausgefranst? Eine einzige weiche Ecke reicht, um aus Near Mint ein Excellent zu machen.
Dann die Kanten – vor allem die Rückseite. Der blaue Rand der Pokémon-Rückseite zeigt jede Abnutzung als weiße Linie („Whitening“). Vorn fällt das auf der gelben Umrandung weniger auf, hinten sofort. Händler bewerten deshalb die Rückseite strenger, als Anfänger denken.
Die Oberfläche im Streiflicht: Halte die Karte flach fast auf Augenhöhe unter eine Lampe und kippe sie langsam. Kratzer auf Holo-Flächen erscheinen als helle Linien, Eindrücke von Kugelschreibern oder Fingernägeln als Dellen. Bei Tageslicht von oben siehst du davon nichts.
Zuletzt die Zentrierung. Ist der Rand links so breit wie rechts, oben wie unten? Eine schief geschnittene Karte ist kein Gebrauchsschaden und zählt bei den Stufen oben nicht mit – aber sie drückt den Preis bei Karten, die für eine Bewertung (Grading) infrage kommen.
Was der Zustand am Preis ausmacht – gemessen, nicht geschätzt
Für meinTCG haben wir 2,8 Millionen Angebote auf einem Marktplatz ausgewertet, der Preis und Zustand je Angebot ausweist, und je Karte den Median jeder Stufe mit dem Near-Mint-Preis verglichen. Über alle Karten hinweg liegt Excellent bei rund 78 Prozent des Near-Mint-Preises, Good bei 51, Light Played bei 37 und Poor bei 26 Prozent.
Die eigentliche Erkenntnis steckt aber nicht im Durchschnitt, sondern darin, was ihn bewegt: das Alter der Karte, nicht ihr Preis. Eine deutsche Karte von vor 2010 verliert als Excellent die Hälfte ihres Werts; eine deutsche Karte ab 2020 verliert ein Achtel. Bei alten Karten ist Near Mint selten und wird bezahlt, bei neuen ist Near Mint der Normalfall.
Und die Sprache zählt: Englische Karten werden weltweit gehandelt, und dort ist der Abschlag für Gebrauchsspuren durchweg kleiner als bei deutschen. Bei modernen Karten macht das kaum etwas aus, bei Karten aus den Neunzigern etwa ein Drittel. Wer eine deutsche Vintage-Karte mit einem englischen Preisfaktor rechnet, bewertet sie zu hoch.
Ein Beispiel aus dem Katalog: Eine Lugia von 2003 steht als Near Mint bei rund 4.380 Euro. Als Excellent sind es etwa 2.200, als Good 1.460, als Light Played 1.120. Eine Giratina V von 2022 mit 1.430 Euro Near-Mint-Preis liegt als Excellent noch bei 1.240 und als Light Played bei 1.060. Dieselben Stufen, völlig andere Sprünge.
Ehrlich eintragen, konsequent bleiben
In einer digitalen Sammlung ist der Zustand die eine Angabe, die niemand nachträglich für dich ergänzen kann – Set und Nummer stehen auf der Karte, der Zustand nur in deinem Urteil. Trag ihn beim Erfassen ein, nicht „später“. Später heißt bei 500 Karten: nie.
Bleib bei einer Skala. Wer die Hälfte nach Cardmarket-Stufen und die andere nach Bauchgefühl bewertet, hat am Ende einen Sammlungswert, der nichts bedeutet. Und bewerte im Zweifel eine Stufe tiefer: Der Sammlungswert ist dann ein Betrag, den du beim Verkauf auch wirklich siehst.
meinTCG rechnet den Preis je Zustand mit den oben beschriebenen, gemessenen Faktoren – getrennt nach Sprachraum und Erscheinungsjahr. Das ist eine Schätzung, und sie steht auch so da: Den Verkaufspreis macht am Ende der Käufer, nicht die Tabelle.
Häufige Fragen
- Lohnt sich ein Grading (PSA, CGC) für meine Karte?
- Nur, wenn die Karte im Near-Mint-Zustand ist und mehr als etwa 50 bis 100 Euro wert – darunter frisst die Gebühr den Aufschlag. Eine Karte mit sichtbaren Spuren bekommt eine niedrige Note, und die drückt den Preis eher, als dass sie ihn hebt.
- Meine Karte hat nur eine weiße Ecke. Ist das noch Near Mint?
- Nein. Near Mint verzeiht einen Kratzer, den man suchen muss, aber kein sichtbares Weiß. Eine weiße Ecke ist Excellent – bei einer alten Karte kostet das die Hälfte des Werts, bei einer neuen wenig.
- Wie schütze ich den Zustand?
- Sofort in eine Hülle („Sleeve“), wertvolle Karten zusätzlich in eine feste Hülle („Toploader“), kein direktes Sonnenlicht, keine Gummibänder, keine feuchten Keller. Die meisten Schäden entstehen nicht beim Spielen, sondern beim Lagern.
- Warum sagt die App „Light Played“, wo Cardmarket „Played“ kennt?
- Cardmarket führt Light Played und darunter noch Played als eigene Stufe, die im Handel kaum vorkommt. meinTCG nutzt fünf Stufen, weil fünf in der Praxis unterscheidbar sind – sieben nicht.
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